Cargo - Interview mit Cloudscape

Mittwoch, den 10. März 2010 um 00:32 Uhr

Cargo - Da draussen bist Du alleinIm September letzten Jahres kam die erste schweizer Sci-Fi Produktion "Cargo - Da draussen bist Du allein" in die Kinos und beeindruckte mit Effekten, die für die passende, düstere Atmosphäre sorgten. Grund genug für uns, das Team, dass dafür verantwortlich war, näher zu beleuchten, da es sich um keine Unbekannten im 3D-worXX-Forum handelte. Wir sprachen mit Patrix Tilp (PatriX), Daniel Müri (Roadrunner) und Patrick Baumann, die nach der Produktion die Cloudscape GmbH gegründet haben, um auch weiterhin zusammenzuarbeiten.

3D-worXX: Euer Team hat sich aus einigen Freelancern zusammengesetzt, die an den Visual FX gearbeitet haben. Wer war beteiligt und wie wurden die Aufgaben verteilt? Stellt Euch doch bitte kurz vor.
PX: Mein Name ist Patrick Tilp, bei CARGO hatte ich den Posten eines Lead-Visualeffects-Artist inne. Und habe einen Teil des 3D-Teams zusammengestellt und betreut.
DM: Ich heisse Daniel Müri, und war bei Cargo als Lead-Artist für Lighting und Rendering zuständig. Ich habe die meisten Szenen gesetupt und vereinheitlicht. Ausserdem war ich für einige Charakteranimationen zuständig.
PB: Ich heisse Patrick Baumann und bin als Rookie zum CARGO-Team gestossen. Anfangs war es etwas schwierig, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber ich habe viel gelernt und hatte auch schon bald die Hauptverantwortung bei mehreren Shots.
PX: Zusammen mit unserm Modo-Mann Tobi Stierli, den man unter dem Namen Toast kennt und auch hier auf 3D-worXX aktiv ist, Robbie Müller, einem begnadeten Lightwave-Artist aus Zürich und dem Maya-Rookie Luis Lietha bildeten wir das Kern-3D-Team das für etwa vier fünftel der Shots zuständig war. Während der ganzen Postproduktion kamen ständig weitere Leute hinzu und einige mussten uns frühzeitig verlassen, es war also immer etwas los. Insgesamt waren ungefähr 25 Visual Effects Artists beteiligt.


Sargszene3D-worXX: Hatte schon jemand Erfahrung in der Filmbranche? Wie seid Ihr zu dem Projekt gekommen?
PX: Nein, nicht wirklich. Allerdings hatte ich in der Vergangenheit schon mit Großprojekten, von ähnlichem Aufwand zu tun. Als ich 2007 in die Schweiz ausgewandert bin, lernte ich Mischa Seger kennen, der zu diesem Zeitpunkt als VFX-Supervisor vorgesehen war und der mich für das Projekt vorschlug. Kurze Zeit später hatte ich das erste Treffen mit Regiesseur Ivan Engler.
PB: Ich hatte zuvor noch keine professionelle Erfahrung in dem Bereich. Cinema 4D war ein Hobby von mir und ich war in einem Lehrgang um den Einstieg ins 3D-Business wagen zu können. Meinen Platz im CARGO-Team verdanke ich meiner Dozentin, welche mich durch Kontakte zum Co-Regisseur Ralph Etter weiter vermittelt hat.
DM: Ich war schon länger bei kleineren Projekten als Freelancer tägig und hatte schon viel Erfahrung in Cinema 4D, aber ich konnte noch keine Erfahrungen aus der Filmbranche vorweisen. Da ich früher in einzelnen deutschen Foren, unter anderem auch hier bei 3D-worXX, sehr aktiv war, hatte ich schon einen Namen in der C4D-Community. So hat sich PatriX an mich erinnert und mich per Mail angefragt.

3D-worXX: Zu welchem Zeitpunkt des Gesamtprojektes "Cargo" lief die Arbeit an den Visual FX? Wurde bereits parallel zu den Dreharbeiten gearbeitet oder erst danach?
PX: Die Postproduction startete ca. 2 Monate nach Drehende.
PB: Und nicht selten haben wir uns gewünscht, dass gewisse Szenen einfach nochmal gedreht werden könnten... oder dass sie überhaupt gedreht worden wären.
DM: Was dann bei einzelnen Szenen nochmals gemacht wurde.



3D-worXX: In welchen Schritten verlief z.B. die Arbeit an einer Szene, vom Rohmaterial zum fertigen Effekt-Shot?
PX: In der Regel lief es so, dass das gescannte Filmmaterial an die Postprodution geliefert wurde und erst mal an die an die Tracker und Roto-Artists ging. Diese haben uns dann die von Greenscreens befreite Bildsequenzen und für Cinema 4D lesbare Cameratrackings geliefert. Jetzt konnten wir anfangen die realen Sets zu erweitern und aus ein paar Sperrholzkulissen ein Raumschiff zu erschaffen. Zu Beginn der Postproduktion wurden alle wichtigen Models und Szenen hergestellt, so dass wir für die eigentlichen Extensions auf einen großen Pool an fertigen Modellen zurückgreifen konnten. Für die entsprechenden Szenen mussten sie jedoch noch leicht angepasst werden damit sie pixelgenau auf das reale Set passten.
DM: Dann kamen die Texturen, das Licht und gleichzeitig die Animationen, welche in den meisten Shots sehr simpel waren. Dann machten wir Rendertests, wobei wir vorallem aufs Antialiasing achten mussten und bereiteten die Multipass Setups vor. Diese Szenen kamen dann auf unsere Renderfarm. Von den Compositoren wurden die Shots in ein Preview Setup geladen und geprüft, ob die Shots auch in 2K funktionieren. Meistens gabs dann noch einzelne Korrekturen im 3D, aber dann wurde fertig gecompt. Im Baselight wurden die Shots dann nochmals geprüft und am Schluss zum finalen Grading freigegeben.

 



3D-worXX: Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an einem Film von "normalen" Projekten?
PX: Der Hauptunterschied liegt wohl in der länge des Projekts. Normalerweise sind wir mehr im Bereich Werbefilm und Fernsehen tätig, wo Deadlinies deutlich knapper sind, aber auch meist nur auf ein paar wenige Shots hingearbeitet werden muss. In CARGO waren es über 400 VFX-Shots. Der Aufwand solch einen film zu machen ist in sofern natürlich größer, da man schon mal den Überblick bei der schieren Masse an Einstellungen verlieren kann. Das benötigte einiges an Organisation. Eigens für diese Produktion wurde ein Web-Tool entwickelt welches uns half, die verschiedenen Shots zu überwachen.



3D-worXX: Mit welcher Software wurde gearbeitet und wie kam sie zum Einsatz? Gab es eine einheitliche Basis?
PX: In diesem Punkt unterscheidet sich die Cargo-Produktion wohl von vielen anderen. Normalerweise würde man eine Pipeline mit möglichst wenig unterschiedlicher Software einrichten. Das Problem hier war, dass in der Schweiz nicht genügend 3D-Artists aufzutreiben waren die zb. mit Cinema 4D arbeiten. Deshalb haben sich mehrere kleine Teams gebildet die ihre eigenen Minipipelines hatten. So hat zum Beispiel eines der Teams mit Modo modelliert und mit Lightwave animiert und gerendert. Weiterhin wurde mit XSI, Maya und ein wenig Max gearbeitet. Für das Compositing kamen Autodesk Toxic, Eyeon Fusion und Adobe AfterEffects zum Einsatz. Gemeinsames Ausgabeformat für das Rendering war OpenEXR, resp. DPX für das Compositing.

 



3D-worXX: Nach welchen Vorgaben habt Ihr gearbeitet? Wieviel kreativer Spielraum wurde Euch gelassen?
PB: Es gab klare und weniger klare Vorgaben seitens der Regie. Zum Teil hatte der Regisseur ganz spezifische Ansprüche, welche nicht immer unserem persönlichen Geschmack entsprachen. Ab und zu konnten wir aber auch eigene Ideen einfliessen lassen.

3D-worXX: Wie erfolgte die Abstimmung mit dem Regisseur?
DM: Er kam oft bei uns im Büro vorbei und konnte direkt Feedback geben. Da er selbst die Grundfunktionen von Cinema beherrscht, hat er so oft es ging auch einfache Previews erstellt um seine Idee von Bildausschnitt und Ablauf darzustellen.


Cargo3D-worXX: Gab es Probleme bei der Arbeit? Wie schwerwiegend waren sie und wie habt Ihr sie gelöst?
PX: Natürlich gab es Probleme, die gibt es immer. Eines der mühseligsten war wohl das „Black-Hole-Phänomen“ das bei der Ausgabe von OpenEXR häufig auftrat. Dabei wurde aus noch ungeklärten Gründen Schwarzwerte in die Datei geschrieben die so gar nicht möglich wären. Das resultierte darin, dass sich das Schwarz im Compositing durch alle Layer frass und ganz üble Fehler verursachte. Das Problem trat da auf, wo in der Szene kein Licht auf die Geometrie fiel. Schlussendlich mussten wir in allen Szenen den Kameras mehrere Lichtquellen unterordnen damit jeder Pixel des Bildes ganz minimal beleuchtet war.

3D-worXX: Welche Erfahrungen habt Ihr aus der Arbeit an "Cargo" mitgenommen?
PB: Auf alle Fälle war es ein grossartiges Erlebnis an einer solchen Produktion mitzuarbeiten. Persönlich habe ich sehr viel gelernt – im Umgang mit Cinema aber auch über die Filmbranche an sich. Wichtig sind auch die sozialen Kontakte die sich daraus ergeben haben. Praktisch alle die in der Schweiz – oder zumindest im Raum Zürich – mit Visual Effects zu tun haben waren irgendwie involviert.

 

Cargo3D-worXX: Wie fühlt es sich an, Eure Arbeit auf der großen Leinwand zu sehen?
PX: Mein Gefühle waren etwas zwiespältig. Zum einen ist es grossartig sein Werk auf der grossen Leinwand zusehen, andererseits ist jede Szene mit dem zutun hatte belastet mit den Erinnerungen an deren Entstehung. Es steckt Blut und Schweiss in jedem Shot. Aber letztlich ist man etwas stolz auf jedes Pixel und Polygon, das es in den Film geschafft hat.
PB: Es war eindrücklich unsere Arbeit nach Compositing, Grading und unterstützt durch die Soundeffekte im finalen Film zu sehen. Ich denke es ist durchaus etwas worauf man stolz sein kann. So ein Projekt hat es in der kleinen Schweiz noch nicht gegeben und das wird auch so bald nicht wieder vorkommen.
DM: Bei einigen Shots freut man sich, bei anderen beisst man die Zähne zusammen, da man doch meist auf die Fehler fixiert ist, welche nicht mehr behoben wurden oder behoben werden konnten. Aber im Grossen und Ganzen war es schon sehr cool.

 



3D-worXX: Ihr habt nach dem Film zu dritt in der Schweiz eine Firma namens "Cloudscape" gegründet. Wollt Ihr damit weiterhin in Richtung Film arbeiten oder bietet Ihr auch "klassische" 3D-Dienstleistungen? In welche Richtung wollt Ihr gehen?
DM: Wir bieten ganz klar auch „klassische“ 3D-Leistungen an. Filmprojekte gibt’s in der Schweiz nur selten. Daher liegt unser Schwerpunkt wohl am ehesten bei Fernsehproduktionen und -Werbung. Zurzeit arbeiten wir jedoch an einer grösseren Visualisierung für ein Webprojekt.

3D-worXX: Was steht mit "Cloudscape" als nächstes an?
PB: Wir haben momentan einige sehr vielversprechende Projekte in Aussicht, können dazu aber noch nicht all zuviel verraten, da vieles noch offen ist. Aber wir sind sehr zufrieden mit unserem Geschäftsgang und sind bereits auf der Suche nach möglicher Unterstützung durch Freelancer. Falls also jemand aus dem Deutschschweizer Raum das hier liest und Arbeit sucht, wir freuen uns über neue Kontakte.

Webseite: cloudscape.ch