Computergrafik und Ausbildung
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Mittwoch, den 16. Januar 2008 um 16:44 Uhr |
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Seite 1 von 3 Aus gegebenem Anlass wollen wir hier eine kleine Diskussion zum Thema Computergrafik und Ausbildung in Deutschland anregen. Der gegebene Anlass - die aktuellen Vorgänge rund um die German Film School. Die meisten sollten es inzwischen mitbekommen haben: seit Herbst 2007 hat die German Film School mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Auslöser war die Aberkennung des Status einer staatlich anerkannten Hochschule. Seit dem kursieren viele Gerüchte. Internet ist doch eine schöne Sache - oder nicht? ;-) Wir wollten uns aber nicht auf Gerüchte verlassen und haben direkt nachgefragt - sowohl bei der German Film School, als auch beim zuständigen Ministerium unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Wanka. Aber bevor wir hier loslegen, möchte ich zwei Links wärmstens empfehlen:
Dort finden sich die "Basis-Informationen", die Schilderung der Entstehungsgeschichte der aktuellen Vorfälle und die entsprechende Reaktion des Ministeriums.
Nun aber ans Eingemachte - hat die German Film School tatsächlich Insolvenz angemeldet? Sie hat. Wir sprachen telefonisch mit Prof. Dr. Willim und fragten nach den Gründen. Die Aberkennung des Status einer staatlich anerkannten Hochschule bringt für viele Studenten nahezu unüberwindliche Hindernisse mit sich. Hauptsächlich zu nennen wären:
- das Studium kann nicht durch Bafög finanziert werden
- Studienkredite werden nicht gewährt (und laufende nicht weiter ausbezahlt!)
Dies ist vor allem problematisch, weil laut Prof. Dr. Willim der Großteil der Studierenden aus der Mittelschicht kommt und diese sich somit ein Studium ohne Bafög und ohne Kredit kaum finanzieren können. Neben den Geldern vom Staat und von Banken, mussten in vielen Fällen Großeltern oder andere Familienteile noch einiges an Geldern zuschiessen. Wenn man nun noch bedenkt, dass bei dem hohen Stunden-Aufkommen pro Woche ein Studentenjob nebenher kaum noch machbar ist, wird durch den Wegfall dieser Gelder ein Studium praktisch nur noch für Kinder aus reichem Haus möglich - das kann und soll nicht sein. Außerdem hinterlässt die Aberkennung bei einigen Interessenten einen schalen Nachgeschmack nach dem Motto "der Willim muß ja Dreck am Stecken haben" (Zitat Prof. Dr. Willim). Diese Punkte führen dazu, dass die Zahl an Neubewerbungen nachlässt. Da sich die German Film School über die erhobenen Studiengebühren finanziert, ist es verständlicherweise fatal, wenn Studenten "vergrault" werden. Aus diesem Grund hat die German Film School Insolvenz angemeldet.
Ein weitere Unklarheit betrifft das Bafög - fällt dieses weg, oder nicht? Mit der Aberkennung des Status als staatlich anerkannte Hochschule fällt für Studenten, die ihr Studium mit diesem Wintersemester begonnen haben, das Bafög weg. Laut Ministerium gilt der 31. August 2007 als Stichtag. Studenten, die vorher ihr Studium begonnen haben, beziehen weiterhin Bafög, auch deren Abschluss wird noch "offiziell" anerkannt. Zunächst wurde wohl sogar allen Studenten das Bafög mit sofortiger Wirkung verweigert, nach Beschwerde wurde dann die oben genannte Regelung eingeführt. Problematisch ist dies vor allem für Studenten, die ihren Ausbildungsvertrag vor diesem Datum abgeschlossen haben, ihr Studium aber erst mit dem Wintersemester begonnen haben. Denn obwohl sie sich bereits vor dem 31.August 2007 eingeschrieben haben, ist das Ministerium der Meinung, das Studium wurde erst mit dem Wintersemester aufgenommen(also nach dem 31. August). Somit bekommen diese Studenten kein Bafög!
3d-worXX hat beim Ministerium nachgefragt:
3D-worXX: Die German Film School erfüllte nicht die staatlich vorgeschriebenen Vorlagen - weshalb wurde Sie dann überhaupt anerkannt? Holger Drews: Die Anerkennung erfolgte - wie üblich - befristet unter Auflagen. Nach Ablauf der Befristung waren wesentliche Auflagen nicht erfüllt, so dass die Anerkennung nicht zu verlängern war.
3D-worXX: Die Aberkennung wurde mit Nichterfüllung der Auflagen begründet. Wurden die Betreiber der Schule vorab informiert? Soweit im voraus, so dass entsprechende Schritte hätten eingeleitet werden können, die den Fortbestand der Hochschule sichern? Holger Drews: Ja, mehrfach.
3D-worXX: In Ihrer Mitteilung schreiben Sie unter anderem: "Die staatliche Anerkennung von privaten Hochschulen stellt bundesweit ein Qualitätssiegel dar." Dies ist durchaus wünschenswert. Allerdings stellt sich die Frage, ob all die Voraussetzungen für solche Spezialfälle auch zutreffen. Zitat: "Unter anderem war eine nennenswerte Forschungstätigkeit nicht erkennbar, die personellen Voraussetzungen genügten nicht den gesetzlichen Anforderungen." Ein oft genanntes Manko von derzeitigen Hochschulen ist die Ferne zur Wirtschaft und zur realen Arbeitswelt. Im Fall der GermanFilmSchool wurde auf Lehrer zurückgegriffen, die mit beiden Beinen in der Industrie verwurzelt sind und meines Wissens deshalb auch nicht Vollzeitangestellte der Schule waren. Ist es denn nicht wünschenswert auf Lehrkräfte zurückgreifen zu können, die am Puls der Computergrafik und der Filmindustrie sind? Holger Drews: Dies ist durchaus erstrebenswert, entbindet aber nicht von der gesetzlichen Vorgabe, einen bestimmten Anteil an Professoren in Festanstellung zu beschäftigen, deren Qualifikation derer von Professoren an staatlichen Hochschulen genügt. Hochschulen dienen der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften. Wenn eine Berufsausbildung durch Praktiker angestrebt wird, bedarf es dafür nicht der Rechtsform der Hochschule.
3D-worXX: Uns ist durchaus bewusst, dass entsprechende Vorgaben für alle Schulen gelten müssen - bleibt die Frage, ob diese Vorgaben eventuell überprüft und aktualisiert werden sollten. Deshalb die Frage: werden die Vorgaben, die zur Anerkennung erfüllt werden müssen, ständig evaluiert? Holger Drews: Die gesetzlichen Vorgaben werden nicht evaluiert, jedoch wird das Verfahren der institutionellen Akkreditierung des Wissenschaftsrats einer Evaluation unterzogen.
3D-worXX: Laut Ihrer Pressemeldung behalten Studierende, die vor dem 31. August 2007 ihr Studium aufgenommen haben, das Recht auf Bafög bzw. ihren anerkannten Abschluss. Laut Information aus dem Umkreis der Schule soll die German Film School ihre Pforten im Februar 2008 schliessen. Wenn dies so stimmt, welche Möglichkeiten haben dann die Studierenden? Können Sie ihr Studium an anderen Hochschulen fortsetzen? Werden eventuell erreichte (Teil-)Prüfungen anerkannt? Was passiert mit den Geldern, die die Studierenden in Ihre Ausbildung investiert haben? Holger Drews: Für den Fall, dass die German Film School ihren Betrieb einstellen muss, wird derzeit geprüft, ob die Studierenden ihr Studium an anderen Hochschulen abschließen können und dabei bisherige Leistungen anerkannt werden. Die Frage der Verwendung der Studiengebühren, die die Studierenden nicht an das Land, sondern an die German Film School entrichtet haben, ist durch das Ministerium nicht zu bewerten.
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